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Mitgliederkommunikation im Prozess der demokratischen Willensbildung: Bedeutung und Funktion der Verbandspresse für die politische Interessenvertretung.

Der Einfluss der Verbände auf den Willensbildungsprozess in der Bundesrepublik Deutschland ist ebenso unbestritten wie die hohe Bedeutung, die der öffentlichen Meinung zukommt. Richtig ist einerseits, dass Theodor Eschenburgs Frage nach der "Herrschaft der Verbände?" aus heutiger Sicht zu provozierend formuliert wirkt. Richtig ist auch, dass bei den politischen Entscheidungsprozessen mehr Faktoren als "Bild, BamS und Glotze" eine wichtige Rolle spielen. Es ist auf der anderen Seite aber ebenfalls unbestritten, dass die Rolle der öffentlichen Meinung in einer modernen Mediendemokratie wohl kaum überschätzt werden kann; ebenso wie die Bedeutung, die den Verbänden, Interessensgruppen und -vertretungen in einem pluralistischen System zukommt, nicht messbar, aber in jedem Fall erheblich ist.

Im Gegensatz zu Buchverlagen, die ihre Publikationen registrieren lassen und Belegexemplare an zentraler Stelle hinterlegen müssen, kennt niemand die Zahl der Verbandszeitschriften in Deutschland. Kein Institut, keine öffentliche Stelle, kein privater Verlag erfasst die Millionen von Verbandszeitschriften, die jeden Monat in Deutschland produziert, verkauft und verteilt werden. Rechnet man die veröffentlichen Stückzahlen einiger großer Verbandsorgane zusammen, so ergibt sich schnell eine Jahresgesamtauflage von mehr als 200 Millionen Exemplaren im Jahr. Aber wie viele Publikationen es insgesamt gibt, wie hoch deren verbreitete Auflagen sind und wie groß der Verbreitungsgrad ist, weiß niemand.

Verbandszeitschriften sind ein Instrument der Interessensgruppen im Wettstreit um politische Interessen und politischen Einfluss. Das Argument, dass die meistens kostenlos zugestellten Zeitschriften nicht immer ihre Leser tatsächlich finden, rechtfertig nicht, wie sehr die Politik- und Sozialwissenschaft dieses Thema bisher vernachlässigt hat. Denn Verbandspresse hat eine politisch relevante Power - nur weiß niemand, wie sie wirkt, welche Bedeutung sie tatsächlich hat und wann sie erfolgreich sein kann. Diese Forschungslücke will ich schließen. Mit einer Dissertationsarbeit, die als Erste ihrer Gattung das gesamte Spektrum der politischen Verbandszeitschriften erfasst. Mit einer Breitenumfrage unter den 2.500 wichtigsten Verbänden. Mit Einzelfalluntersuchungen und Interviews.